13.03.2026 Vorführung von Esther Feucht und Monika Nussberger, Meisterinnen der Misho-Schule

Zum traditionellen jährlichen Treffen mit internationalen Gästen konnte die Ikebana-Gruppe Biberach zum Frühlingsanfang zwei Gäste aus der Schweiz begrüßen. Bei einer öffentlichen Vorführung am Freitag präsentierten die Meisterinnen Esther Feucht und Monika Nussberger klassische und moderne Formen ihrer Schule, gefolgt am Samstag von einem Ganztages-Workshop.

Die Misho-Schule ist in Europa schwerpunktmäßig in Sissach bei Basel beheimatet. Sie wurde 1807 von Mishosai Ippo in Osaka gegründet. Er führte die Theorie – Himmel, Erde, Mensch (Ten – chi – jin) – im Blumen-Arrangieren ein und entwickelte die klassischen Stilformen der Schule. Seit 2014 führt sie Keiho Hihara als 10. Iemoto. Durch ihre innovative Herangehensweise, die die klassischen Prinzipien bewahrte, aber gleichzeitig neue kreative Wege sucht, konnte sie sich international etablieren.

Den Anfang machte ein klassisches Kakubana aus zarten Spraynelken in verschiedenen Farben. Es folgten Magnolien, Kamelien, Iris, Sterndolden und Freesien in einer hohen Vase. Ein Kakubana kann in einer Bambusröhre, in einer hohen Vase oder in einer Schale mit Kenzan arrangiert werden. Mit den Hauptlinien Tai, Yo und Tome entsteht eine gleichschenklige Dreiecksform, die die Harmonie zwischen Himmel, Mensch und Umwelt interpretiert. In der Misho-Schule wird ausschließlich mit pflanzlichem Material gearbeitet. Des Weiteren folgten frühlingshafte Arrangements im modernen Stil Shinka.  Shinka – „neue Blumen“ – ist ein moderner Ikebana-Stil, der im Gegensatz zu den strengen, traditionellen Formen freier gestaltet wird. Er soll die Persönlichkeit sowie die Emotionen des Gestalters durch eine Betonung von Farbharmonie und Struktur ausdrücken. Hinter der tänzerisch heiteren Ausstrahlung standen jedoch die präzisen Regeln der Schule, die durch viel Biegen und Massieren der Stängel eingehalten werden mussten. Schließlich folgte ein Arrangement in und hinter fünf Glasröhren gesehen – mit Schneeball, Hortensien und Anemonen, wunderbar verspiegelt durch Wasser.

14.03.2026 Seminartag der Misho-Ryu von Esther Feucht und Monika Nussberger

Das folgende Seminar am nächsten Morgen zeigte dann die Schwierigkeit, Weidenkätzchen in eine Form zu bringen, so dass ein klassisches Kakubana entstand. Höhe, Richtung, Neigung, Fuß, alles musste passen. Wunderschöne Weidenkätzchen wurden mit hoher Konzentration und viel sachkundiger Unterstützung zu harmonischen Dreieckformen arrangiert. Mit Engelsgeduld korrigierten Esther und Monika jedes einzelne Arrangement.

Nach einer entspannenden Mittagspause ging es weiter mit dem modernen Stil – Jiyubana – in Glasgefäßen. Jetzt wurden zart ausgetriebene Korkenzieherweide, Freesien und Anemonen eingesetzt. Als Halterung diente geknautschte Regenbogenfolie. Es war nicht einfach, die Stängel in der Folie zu versenken, ohne dass sie den Glasrand berührten und die vorgesehene Richtung einnahmen. Dieser Free Style mit geschwungenen Linien der Weide – dazwischen die Farbpunkte von Anemonen oder Freesien und das schimmernde Wasser mit der Folie im Glas – war ein deutlicher Kontrast zum strengen Vormittag.
Unter der Anleitung von Esther Feucht und Monika Nussberger haben wir mit Interesse und Dank viel gelernt und uns über die entstandenen Werke gefreut. Die Veranstaltung hinterließ einen tiefen Einblick in die vielfältigen Techniken und die künstlerische Vielfalt der Misho-Schule.